Mittwoch, 16. Oktober 2019

Nicht nur für Narendra Modi und Xi Jinping ein interessanter Ort...

Mamallapuram, dort wo sich vor wenigen Tagen die Staatschefs von Indien und China getroffen haben um schwierige politische Fragen zu besprechen, war der krönende Abschluss unseres Pastoralkollegs. An manchen Stellen waren die Aufräumarbeiten des Staatsbesuchs noch zu erkennen.



Mamallapuram, direkt am Golf von Bengalen gelegen, enthält auf engem Raum herausragende Tempelanlagen, die bis in die Zeit des 8. Jahrhunderts n.Chr. zurückreichen. Heute gehören sie zum UNESCO Weltkulturerbe. Damals war hier unter der Herrschaft der Pallaven ein wichtiger Hafen, der die Stadt mit der Welt verbunden hat.


Doch nicht nur der Handel, sondern vor allem die Kunst der Steinmetze hat die Stadt berühmt gemacht. Neben Felsenreliefs sind es die kunstvoll verzierten Tempel die zum Staunen einladen. Die wenigsten sind wohl jemals geweiht worden, zeugen aber durch die Motive der Bildhauereien von der religiösen Welt des Hinduismus.




Ein beeindruckendes Ensemble sind die „Fünf Rathas“, fünf freistehende Tempel, die alle aus einem Granitfelsen gehauen sind, dazu Elefanten und andere lebensgroße Tiere. Allein der Abraum des Geländes umfasste 120.000 Tonnen Gestein.

Nichts deutet darauf hin, dass vor 15 Jahren eine riesige Tsunamiwelle diesen Küstenstreifen verwüstet hat. Tausende von Menschen waren damals ums Leben gekommen. Wie die Menschen als Hindus wohl mit dieser Katastrophe umgehen? Gibt es auch im Hinduismus ein Theodizee-Problem? Oder gibt es kein so grundsätzliches Problem, weil man Unglück dem persönlichen Karma oder einer zerstörerischen Gottheit zuschreiben kann? 

Auch der Tempel, den wir uns als nächstes anschauen, war von der Tsunamiwelle betroffen. Von unserem Guide erfahren wir, dass die gewaltigen Kräfte damals auch weitere Tempel und Tempelteile freigelegt haben, von denen man bis dahin noch nichts gewusst hatte. 

Die Geschichte von einer ganz anderen Flut ist auf einem der nächsten Steinreliefs zu sehen, das Künstler im 7. Jahrhundert gestaltet haben. Weil die Menschen Krishna angebetet haben, fühlte sich der Regengott vernachlässigt und schickte eine Flut. Khrishna jedoch stemmte sich gegen das Wasser und rettete die Menschen. Besonders eindrücklich ist die Darstellung von Khrishnas Bruder, der einem Bauern tröstend die Hand auf die Schultern legt. 

Wir gehen von einem Höhepunkt zum anderen. Begleitet werden wir dabei von hartnäckigen Verkäufern, die ihre selbst gemachten Kunstwerke an den Mann und die Frau bringen wollen. Manche beeindrucken mit ihren Deutschkenntnissen, andere bieten sich als Guides an. Einmal sind sie so aufdringlich, dass der wartende Bus wie eine rettende Burg erscheint.

Den Abschluss bildet ein anderes Relief, auf dem die göttliche Dreiheit von Brahman, Vishnu und Shiva zu sehen ist, dem Schöpfer, Erhalter und Zerstörer. Davor ein Becken, das für rituelle Waschungen vor dem Gang zum Tempel vorgesehen war. Ich muss an die vielen Kirchen denken, in denen das Taufbecken direkt am Eingang steht. Vor dem Zugang zur Gemeinde und dem Gottesdienst steht die Reinigung, das Bad der Wiedergeburt. Faszinierend, welche Parallelen es bei allen Unterschieden gibt. Es gibt vieles, was uns auch noch nach der Rückkehr begleiten wird.

Dr. Jens Martin Sauter und Roland Jaeckle

War da was?

Sonntag, 13. Oktober 2019 Der Spätnachmittag und frühe Abend an diesem Tag war dem „Shopping“ reserviert. Wir fragten uns leise, ob es sich für Pfarrer*innen der EKHN gehöre, an einem solchen Tag shoppen zu gehen. Aber was sollten wir schon machen? Es war ja alles geplant und dieser Gedanke spielte dann auch schnell keine Rolle mehr in unseren Überlegungen. Der Bus fuhr uns zu drei verschiedenen Plätzen: Der erste Ort war ein vierstöckiges Kaufhaus für Bekleidung jeglicher Art, die zweite Station war ein großes Einkaufszentrum mit großen Label-Shops und die letzte Station war zum einen ein Supermarkt und zum anderen FabIndia, ein Laden für Bekleidung und Stoffe, aber wesentlich kleiner als der erste.


Natürlich ist es immer blöd, mit einer großen Gruppe einkaufen zu gehen, gedrängt von den zeitlichen Vorgaben. Aber hier kam noch etwas anderes dazu: Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Menschen in einem Kaufhaus erlebt. Wenn ich das so schreibe klingt das lax. Das war es aber nicht. Bei MASSA in Bauschheim im Kreis Groß-Gerau war vor vielen Jahren ein Brand ausgebrochen, der aber sehr schnell wieder gelöscht werden konnte. Jedoch musste die gesamte Ware vernichtet werden, weil sie eben „rauchbelastet“ war. Am Samstagmorgen um 7 Uhr sollte der Markt öffnen, damit die Ware verschenkt werden konnte. Schon am Vorabend übernachteten die Menschen vor den Eingängen und auf den Feldern ringsum, um am nächsten Morgen rechtzeitig da zu sein. So ähnlich war es in diesem Kaufhaus. Nur gab es hier nichts umsonst und wurde verschenkt. Normalerweise schlendere ich durch die Gänge und lasse mich inspirieren. Ich weiß selten, was ich will. Ich muss mir das anschauen. Dazu aber brauche ich Zeit und Muse. Beides war nicht gegeben. Ich habe dann ein Hemd genommen, was ich am Stand kurz überstreifte und meine Begleiter mir versicherten, dass es mir passe und gut aussähe. Kostet ja nicht viel und wenn es zuhause im Schrank Staub ansetzt, habe ich eigentlich kaum etwas verloren. Vielleicht will es ja mein Sohn haben. Viele aus unserer Gruppe waren da deutlich zielstrebiger und haben sich mit den Dingen eingedeckt, die sie wollten, suchten und auch fanden. Dann kam es doch zu einigen Unklarheiten: Wie funktioniert das mit dem Bezahlen? Der nette Verkäufer verstand uns überhaupt nicht und nickte auf unsere unterschiedlich formulierten Anfragen immer nur lächelnd. Dann haben wir herausgefunden, dass wir die Ware an einem Schalter in unserem dritten Stock abgeben mussten. Dort bekamen wir eine Rechnung, mit der wir zur Kasse im Erdgeschoss fuhren. Man kann sich vorstellen, dass es vor dieser Kasse doch ziemlich laut, hektisch und voll war. So übergaben wir dem Größten von uns das Geld und die Rechnungen und der schob sich langsam zur Kasse. Jetzt hatten wir bezahlt, die Ware jedoch befand sich an einem anderen Ort. Wir fanden „Delivery“ auf einem Hinweisschild, eine große Halle mit Tresen und extrem vielen Menschen davor, aber auch wirklich fleißig hin- und herwieselnden Ausgeber. Zuerst hörten wir, dass wir uns an einer der ziellos umherirrenden „Zuhälter“ wenden sollten, die sich für uns ins Getümmel stürzen würden, um unsere Schätze zu besorgen. Doch dann entdeckten wir, dass die Schalter nach Stockwerken verteilt waren und wir verfuhren nach dem gleichen Prinzip: Einer stellte sich an und besorgte unsere Kleidung. Und kaum zu glauben: Alles funktionierte einwandfrei und letztlich auch problemlos. Wir nahmen unsere Sachen und eilten zum Bus. Auf der Straße waren ebenfalls eine unglaubliche Anzahl von Menschen. Da hier so etwas wie ein Bürgersteig eigentlich gar nicht existent ist, muss man sich mit allen möglichen Fußgängern und Fahrzeugen die Fahrbahn teilen. Dabei kommt es darauf an, das Hupen und Tröten der Fahrzeuge richtig zu deuten. Als wir dann im Getümmel standen und auf unseren Bus warteten, zeigten wir uns stolz unsere Errungenschaften und freuten uns über die verschiedenen günstigen Angebote und Schnäppchen, aber auch über die schönen Stoffe, Farben und Muster.


Ralf Tepel ging mit uns an unserer zweiten Station in einen Laden, in dem preiswert sehr gute Kaschmirschals zu erwerben waren. Mit mehr als 20 Leuten stürmten wir den kleinen Laden und Ralf übernahm sofort die Preisverhandlungen. Zuerst sollte ein Kaschmirschal 3500 RS kosten. Dann, nach einigem Hin und Her und einem Telefonanruf des Händlers (bei seinem Bruder?) reduzierte sich der Preis auf 1600 RS, ein sehr gutes Angebot. Um den kleinen Verkaufstisch standen 20 Deutsche, selbst hinter dem Tresen. Und auf dem Tisch, der vorher ordentlich leergeräumt war, befanden sich Schals, die aus der Packung gezogen und begutachtet wurden. Ich glaube, jeder hat hier etwas gekauft, so mancher hat aber auch noch ein besseres Geschäft gemacht als das Vorgeschlagene: einem aus unserer Gruppe ist es gelungen, acht Schals für insgesamt 7000RS zu kaufen. Ich habe von keinem besseren Deal gehört. Der Verkäufer hat bestimmt das Geschäft der Woche, wenn nicht des vergangenen Monats oder mehr, gemacht. 
An der dritten Station war die Aufregung dann doch deutlich reduzierter. FabIndia war lange nicht so voll wie die vorhergehenden Häuser. Der Supermarkt war so besucht wie bei uns REWE an einem Freitagabend. Auch hier wurde einiges gekauft, so manches für den täglichen Bedarf oder einfach kleinere Gimmicks (Nüsse oder ähnliches); bei FabIndia jedoch auch wieder Hemden und Hosen und andere Kleidung.

Als wir dann endlich nach ungefähr drei Stunden in unseren Bus fielen und langsam durch die engen und belebten Straßen zu unserer Unterkunft zurückfuhren, sah ich auf der Straße drei Kinder. Sie sahen sehr verwahrlost aus und einer stand mit dürren, bettelnden Armen am Straßenrand. Und plötzlich schoss mir durch den Kopf, dass ich zwar in Deutschland die Frage nach Kinderarbeit in der Bekleidungsindustrie immer wieder im Unterricht stelle und dabei auf Unternehmen wie TIK zeige, die im asiatischen Raum produzieren lassen. Aber hier, an einem Ort, in dem Kinderarbeit immer noch weitverbreitet ist, kaufe ich die sehr preiswerte Kleidung und stelle mir die Frage nicht. Gibt es für die indischen Produkte nur faire Produktionsbedingungen? Werden die Hemden, die wir hier gekauft haben unter gerechten und ökologisch sauberen Bedingungen hergestellt? Darf mein Gewissen hier schlafen oder einfach anders ticken als in Deutschland? Plötzlich konnte ich mich nicht mehr so freuen über meine Einkäufe und mit einem etwas flauen Gefühl im Magen fuhr ich in meine Unterkunft zurück.



Dienstag, 15. Oktober 2019

Ganesha XXXXL

She‘s the boss! Was aus 80 Euro alles werden kann: Als Veni den Kleinkredit für eine Töpferei im eigenen Haus aufnahm, konnte niemand ahnen, dass sie heute für ihren Laden zehn Menschen beschäftigt. Vom Döschen für Krimskrams über ausgewachsene Blumenkübel  bis zum wohl populärsten  Hindugott Ganesha in XXXXX gibt’s hier für alle etwas.




Sichtlich stolz ist die Mutter von zwei Kindern. Dass seine Hausfrau jetzt Geschäftsfrau ist, findet Venis Mann auch gut. Das Projekt der  Vimuktha Federation im südindischen Coimbatore wird unterstützt von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie aus dem südhesischen Bensheim. Der Süden hilft dem Süden.

Montag, 14. Oktober 2019

Kinder, Kinder


Im Prachodana Center for Social Service wohnen Kinder, die nicht in ihrem Familien leben können, aus der Kinderarbeit kommen und keinen Zugang zu Bildung hatten. Als wir Prachadona erreichen, werden wir schon vor dem Haus erwartet. Jede und jeder wird persönlich von einem Kind begrüßt und bekommt eine Blume überreicht. 



Die Kinder freuen sich so, dass wir da sind und sie sind stolz uns etwas zu zeigen von ihrem Leben. Sie haben ein kleines Programm mit Tänzen und Liedern vorbereitet. Und dann antworten einige von ihnen ganz mutig auf unsere Fragen. 
Ein Mädchen, das schon seit sieben Jahren in dem Projekt ist, wirkt zunächst sehr schüchtern, aber dann erzählt sie laut und lebendig. Sie ist so froh, dass sie in die Schule gehen kann und sagt, sie wusste früher gar nicht, was sie alles kann und wie viele Talente alle Kinder haben. Später will sie Gouverneurin werden. Empowerment pur! 


 Ein Junge berichtet, dass er früher zusammen mit seinem Bruder jeden Tag Besen binden musste. Erst seit die beiden in Prachodana leben, weiß er, was Musik und Sport, tanzen und spielen und Schule ist!
Was sie am liebsten machen, fragen wir. Und die Antwort ist eindeutig: Tanzen und singen mit Max. Der junge Mann aus Deutschland arbeitet für ein Jahr in Prachodana, als Freiwilliger der Karl Kübel Stiftung. Was Max denn so mit ihnen singe, wollen wir wissen. „Wannsee“ rufen alle begeistert. „Die Toten Hosen“ in einem Kinderheim in Indien, sehr cool! 

Dann geht es darum, ob die Kinder auch uns Besucher*innen etwas fragen möchten. Sie möchten! Sie wollten unbedingt wissen wie wir heißen. So sagen wir alle unsere Namen und die Kinder lauschen als wäre das ein großes Geschenk. Ein dichter und schöner Moment ist es jedenfalls. Der ganze Besuch war beeindruckend und bewegend.
45€ Spenden pro Monat sind nötig für jedes Kind, damit es gut lernen und leben kann. 45€ und Menschen, die einander stark machen, machen solch einen großen Unterschied für ein Leben! 

Anne Daur-Lyrhammer 


„Free like a bird“ mit viel Last auf den Schultern - Empowerment auf indisch



Stage fever (Lampenfieber) habe sie früher immer gehabt, jetzt nicht mehr, erzählt eine junge Frau. Das ist zu spüren - und nicht nur bei ihr. Wir sind in Indien, um über Empowerment zu lernen und wir lernen viel und erleben unglaublich viel Power! Selbstbewusst, strahlend, laut, so erzählen die Frauen bei unseren Begegnungen in allen Projekten.


Am Rande einer Präsentation unterhalte ich mich mit einigen von ihnen - das geht erstaunlich gut mit Geduld und  Gesten und immer wieder ein paar Worten Englisch. Wir tauschen uns über Hühner aus, über Biodünger, Solaranlagen, Nähmaschinen und natürlich über unsere Kinder. Ein Kind, maximal zwei haben sie. Und wie viele Kinder ich habe, werde ich gefragt. “Drei”, zeige ich mit den Fingern und ernte kritische Blicke. Doch dann lachen die Frauen selbstbewusst: “Don’t you know about familiy planning?”


Beim Besuch eines Entwicklungsprojektes in Karamadai sind wir im privaten Haus einer älteren Frau zusammen. Einige Plastikstühle stehen für uns Besucher*innen bereit, fünf Gäste passen auf das einfache Bett, die Dorfbewohnerinnen stehen oder sitzen am Boden. Auch einige Männer sind da, sie schauen interessiert durch die Fensteröffnung oder warten auf dem Weg vor dem Haus. Aber die Frauen sind es, die sprechen. 


Ob sich ihre Situation durch das Projekt verändert habe, fragt eine Besucherin die Anwesenden. Ein Raunen geht durch die Gruppe, die Frauen strahlen. Dann antwortet die Gastgeberin und die Übersetzerin erklärt. Früher sei sie immer im Haus gewesen, jetzt gehe sie raus. “She feels she is a free bird”. 


Ja, “going and growing” darum geht es, ergänzt Schwester Anila. Und dann stellen die Frauen ihre Fragen.  “Do you like our village?“ „Do you like us?“ Sie wollen wissen, ob es in Deutschland auch Selbsthilfegruppen gebe und erzählen lachend, dass sie nicht erwartet hätten, dass wir so weiß sind. 


 Ernster ist die Stimmung als es um gute und nicht so gute Ehemänner geht, um Alkoholismus und die Frage, wo sie Hilfe und Schutz finden. “They share their shoulder for each other” fasst die Übersetzerin die Reaktionen zusammen. Eine Frau ergänzt: “Wir helfen einander es zu ertragen.” Von anderen Möglichkeiten wird nicht gesprochen. 

Als eine Kollegin sagt, wie stark die Frauen sind, zu arbeiten, den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen, gibt es eine einfache Erklärung: Das sei eben so, weil Frauen das besser können. „They are more mentally able!“ Und dann kommt wieder ein humorvoller Zwischenruf: “Und die Hausarbeit wird nicht bezahlt!“ „In Deutschland auch nicht!“ lachen wir. 


Richtig Spaß haben wir dann mit unseren kleinen Gastgeschenken. Wir haben Postkarten aus einem Kreativprojekt von jungen Frauen in Frankfurt mitgebracht und Trillerpfeifen. „Die brauchen wir in Deutschland immer noch, wenn wir mal wieder nicht gehört werden!“ erklären wir. Den Frauen in Karamadai fällt sofort ein, in welcher Situation sie solch eine Pfeife auch gut gebrauchen können. „Respekt! Stoppt Sexismus!“ steht auf den Trillerpfeifen. Und das müssen wir gar nicht übersetzen lassen. „Respekt“ wird bei diesen Frauen direkt verstanden! 

Anne Daur-Lyrhammer 

Ein gefährlicher Job für schönes Haar!


Was verbirgt sich hinter den grünen Blätterchen, die uns die Bewohnerin des  Hauses im kleinen Innenhof entgegenstreckt? „Sie macht daraus Pulver und verkauft es nach Chennai. Sie verdient damit 30000 Rupees (ca. 400 €) im Monat“ erklärt uns die Übersetzerin stolz. Pulver? Unsere Blicke bleiben ratlos. „Ja Shampoo.“
Schnell schüttet unsere Gastgeberin die Blättchen in einen großen Mörser. Mit zwei großen Stöcken wird gemörsert, dann gesiebt und schon erkennt man ein grünes Pulver - und nun? „Es ist Shampoo und Conditioner in einem - das Haar wird seidig glatt.“


Aus einer andere Ecke kommt eine Frau, die das Pulver auf ihren Händen schon mit Wasser gemischt hat - und tatsächlich: vor unseren Augen verwandelt sich das Kräuterpulver zu einem grünen, schaumigen und gut riechenden Brei von dem man sich gut vorstellen kann, dass er sich auf dem Kopf verteilen lässt.

Das müssen wir zu Hause ausprobieren und kaufen viele Tüten. 



Es ist offensichtlich, dass sich die Frau mit dem Shampoo einen kleinen Wohlstand erarbeitet hat. „Aber meine Tochter soll etwas anderes machen“ sagt sie uns noch zum Schluss. „Ich suche die Kräuter für das Pulver im Dschungel und dort begegne ich zu oft Elefanten und anderen wilden Tieren“.

REBECCA MÜLLER 

Ach, weil Sonntag ist ....


 ..... dürfen wir auch  mit den Clarissinnen die Heilige Messe feiern.







„Live is what you make of it“ - Das „Good Shepherd Health and Education Center“


Das Good Shepherd Health and Education Center gibt es seit 42 Jahren an seinem Standort in Karamadai. Geführt wird es von Schwestern des Franziskanerordens. 


  

Das Zentrum wird von Schwester Anila geleitet. Unter ihrer Führung entwickelte es sich von einer klassisch, caritativ ausgerichteten Gesundheitsstation und Schule zu einer Organisation, die offensiv Projekte im Bereich Entwicklung in der Region fördert. Mittlerweile sind ca. 24000 Frauen in Selbsthilfegruppen organisiert. Das Zentrum unterstützt die Frauen in den Bereichen „Social Empowerment“, „Economic Empowerment“, Health and Hygiene“, „Education“ und „Infrastructure“. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, den Frauen Selbstvertrauen zu geben und ihnen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen z.B. durch Sparprogramme und Mikrokredite, um kleine Einkommensmöglichkeiten und/ oder Renovierungen an den Häusern zu finanzieren. 


 

In dem Dorf das wir besuchten war der Erfolg deutlich zu sehen und zu erleben: Häuser konnten mit Kanalisation, Anbauten und anderem ausgestattet werden, über 90 % der Kinder gehen zur Schule und die allermeisten der Frauen im Dorf gehen neben dem Haushalt einer bezahlten Arbeit nach. 



REBECCA MÜLLER

Samstag, 12. Oktober 2019

Wenn‘s den Engländern zu heiß wurde ...



... zogen sie sich in die Gebirgsregionen von Indien zur Erholung zurück. Bis heute bekannte Hill Stations liegen in Kaschmir, den ersten Gebirgszügen des Himalayas und in den Nilgiris. Bekannte Orte - neben anderen - sind Srinagar, Dalhousie, Shimla, Ooty und Coonoor. Die heutige Weiterfahrt mit dem Bus in das Bildungszentrum der Karl-Kübel-Stiftung führt uns über Gudapur in die Nilgiri Berge und über Coonoor nach Coimbatore.

Die Nilgiri Mountain Railway verbindet über eine Strecke von 46 km die Stadt Mettupalayam mit der Bergstation Udagamandalam (Ooty) im Nilgiri-Gebirge. Beide Orte liegen bereits im Bundesstaat Tamil Nadu. Ein Teil der Strecke ist eine Zahnradbahn - die einzige in Indien und gebaut mit Schweizer Technologie. Die Nilgiri Mountain Railway ist eine der ältesten Bergbahnen in Indien. Sie wurde 1899 von den Engländern nach Plänen eines Schweizers fertiggestellt. Die Bahn ist heute eine von nur noch wenigen mit Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahnen. 2005 nahm die UNESCO die Bahn als Teil der Welterbestätte Gebirgsbahnen in Indien auf die Liste des Weltkulturerbes auf.



Auf unserer heutigen Fahrt über die Nilgiri-Berge nutzen wir die Gelegenheit und fahren die 18 km von der Bergstation Udagamandalam (Ooty) bis Coonoor mit der Bergbahn und genießen die wunderschöne Landschaft und die gemütliche Fahrt durch Teeplantagen und Wälder.






         
        











Durch die blauen Berge

Wer nach Indien reist, begegnet früher oder später dem. Erbe der Kolonialzeit. Anfang des 20. Jahrhunderts ließen die britischen Kolonialherren eine Schmalspurbahn nach Ooty bauen, um ihren Beamten im heißen Madras in 2200 Metern Meereshöhe Zugang zu kühler Bergfrische zu ermöglichen.  wurde die Bahn liebevoll Toy Train genannt.
Sie ist nach über 100 Jahren mit Dampflokomotiven und Wagen im Originalzustand in Betrieb. 2007 wurde die Bahnstrecke zum UNESCO Welterbe ernannt.

Wir genossen das Teilstück von Ooty nach Coonoor, vorbei an Teeplantagen, durch die Blauen Berge.

In der SWR Mediathek findet sich ein Film, der die komplette Strecke zeigt:

https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr-fernsehen/eisenbahn-romantik/825574.xl.mp4

JÖRG FRÖHLICH

Zwischen Dienstgesprächen, Urlaub und kollegialem Austausch Pastoralkolleg in Indien

Zwischen Dienstgesprächen, Urlaub und kollegialem Austausch
Pastoralkolleg in Indien

Dieses Pastoralkolleg bietet eine tolle Gelegenheit Indien zu besuchen und kennen zu lernen.

Neben dem Besuch von NGO-Projekten, die von der Karl-Kübel-Stiftung unterstützt werden, kommt auch das touristische Programm nicht zu kurz.

 So konnten wir verschiedene Tempel, den Maharadscha-Palast und einen Markt anschauen und eine Zugfahrt durch die Berge genießen.

Neben diesen Besichtigungen und Begegnungen finden natürlich viele Gespräche untereinander statt - mit KollegInnen, die man schon lange kennt, denen man bisher nur mal kurz begegnet ist oder die man das erste mal bei der Vorbereitung zur Reise gesehen hat.
Private Themen, berufliche Situationen oder auch dienstliche Absprachen sind Inhalt solcher Gespräche während der vielen, langen Busfahrten.

Auch hier spüre ich "Empowerment", Hilfestellung bei Problemen, Anerkennung für Geleistetes, gemeinsame Erfahrungen, die verbinden oder auch einfach ein offenes Ohr für das, was mich gerade beschäftigt.
Auch wenn der Schlaf auf dieser Reise etwas zu kurz kommt, fühle ich mich schon jetzt (nach 6 Tagen) gestärkt und bereichert.