Dienstag, 15. Oktober 2019
Tattoo you - Zeichen mit Henna setzen
Ganesha XXXXL
She‘s the boss! Was aus 80 Euro alles werden kann: Als Veni den Kleinkredit für eine Töpferei im eigenen Haus aufnahm, konnte niemand ahnen, dass sie heute für ihren Laden zehn Menschen beschäftigt. Vom Döschen für Krimskrams über ausgewachsene Blumenkübel bis zum wohl populärsten Hindugott Ganesha in XXXXXL gibt’s hier für alle etwas.
Sichtlich stolz ist die Mutter von zwei Kindern. Dass seine Hausfrau jetzt Geschäftsfrau ist, findet Venis Mann auch gut. Das Projekt der Vimuktha Federation im südindischen Coimbatore wird unterstützt von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie aus dem südhesischen Bensheim. Der Süden hilft dem Süden.
Sichtlich stolz ist die Mutter von zwei Kindern. Dass seine Hausfrau jetzt Geschäftsfrau ist, findet Venis Mann auch gut. Das Projekt der Vimuktha Federation im südindischen Coimbatore wird unterstützt von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie aus dem südhesischen Bensheim. Der Süden hilft dem Süden.
Montag, 14. Oktober 2019
Kinder, Kinder
Im Prachodana Center for Social Service wohnen Kinder, die nicht in ihrem Familien leben können, aus der Kinderarbeit kommen und keinen Zugang zu Bildung hatten. Als wir Prachadona erreichen, werden wir schon vor dem Haus erwartet. Jede und jeder wird persönlich von einem Kind begrüßt und bekommt eine Blume überreicht.

Die Kinder freuen sich so, dass wir da sind und sie sind stolz uns etwas zu zeigen von ihrem Leben. Sie haben ein kleines Programm mit Tänzen und Liedern vorbereitet. Und dann antworten einige von ihnen ganz mutig auf unsere Fragen.
Ein Mädchen, das schon seit sieben Jahren in dem Projekt ist, wirkt zunächst sehr schüchtern, aber dann erzählt sie laut und lebendig. Sie ist so froh, dass sie in die Schule gehen kann und sagt, sie wusste früher gar nicht, was sie alles kann und wie viele Talente alle Kinder haben. Später will sie Gouverneurin werden. Empowerment pur!

Ein Junge berichtet, dass er früher zusammen mit seinem Bruder jeden Tag Besen binden musste. Erst seit die beiden in Prachodana leben, weiß er, was Musik und Sport, tanzen und spielen und Schule ist!
Was sie am liebsten machen, fragen wir. Und die Antwort ist eindeutig: Tanzen und singen mit Max. Der junge Mann aus Deutschland arbeitet für ein Jahr in Prachodana, als Freiwilliger der Karl Kübel Stiftung. Was Max denn so mit ihnen singe, wollen wir wissen. „Wannsee“ rufen alle begeistert. „Die Toten Hosen“ in einem Kinderheim in Indien, sehr cool!


Dann geht es darum, ob die Kinder auch uns Besucher*innen etwas fragen möchten. Sie möchten! Sie wollten unbedingt wissen wie wir heißen. So sagen wir alle unsere Namen und die Kinder lauschen als wäre das ein großes Geschenk. Ein dichter und schöner Moment ist es jedenfalls. Der ganze Besuch war beeindruckend und bewegend.

Die Kinder freuen sich so, dass wir da sind und sie sind stolz uns etwas zu zeigen von ihrem Leben. Sie haben ein kleines Programm mit Tänzen und Liedern vorbereitet. Und dann antworten einige von ihnen ganz mutig auf unsere Fragen.
Ein Mädchen, das schon seit sieben Jahren in dem Projekt ist, wirkt zunächst sehr schüchtern, aber dann erzählt sie laut und lebendig. Sie ist so froh, dass sie in die Schule gehen kann und sagt, sie wusste früher gar nicht, was sie alles kann und wie viele Talente alle Kinder haben. Später will sie Gouverneurin werden. Empowerment pur!
Ein Junge berichtet, dass er früher zusammen mit seinem Bruder jeden Tag Besen binden musste. Erst seit die beiden in Prachodana leben, weiß er, was Musik und Sport, tanzen und spielen und Schule ist!
Was sie am liebsten machen, fragen wir. Und die Antwort ist eindeutig: Tanzen und singen mit Max. Der junge Mann aus Deutschland arbeitet für ein Jahr in Prachodana, als Freiwilliger der Karl Kübel Stiftung. Was Max denn so mit ihnen singe, wollen wir wissen. „Wannsee“ rufen alle begeistert. „Die Toten Hosen“ in einem Kinderheim in Indien, sehr cool!
Dann geht es darum, ob die Kinder auch uns Besucher*innen etwas fragen möchten. Sie möchten! Sie wollten unbedingt wissen wie wir heißen. So sagen wir alle unsere Namen und die Kinder lauschen als wäre das ein großes Geschenk. Ein dichter und schöner Moment ist es jedenfalls. Der ganze Besuch war beeindruckend und bewegend.
45€ Spenden pro Monat sind nötig für jedes Kind, damit es gut lernen und leben kann. 45€ und Menschen, die einander stark machen, machen solch einen großen Unterschied für ein Leben!
Anne Daur-Lyrhammer
Anne Daur-Lyrhammer
„Free like a bird“ mit viel Last auf den Schultern - Empowerment auf indisch
Stage fever (Lampenfieber) habe sie früher immer gehabt, jetzt nicht mehr, erzählt eine junge Frau. Das ist zu spüren - und nicht nur bei ihr. Wir sind in Indien, um über Empowerment zu lernen und wir lernen viel und erleben unglaublich viel Power! Selbstbewusst, strahlend, laut, so erzählen die Frauen bei unseren Begegnungen in allen Projekten.

Am Rande einer Präsentation unterhalte ich mich mit einigen von ihnen - das geht erstaunlich gut mit Geduld und Gesten und immer wieder ein paar Worten Englisch. Wir tauschen uns über Hühner aus, über Biodünger, Solaranlagen, Nähmaschinen und natürlich über unsere Kinder. Ein Kind, maximal zwei haben sie. Und wie viele Kinder ich habe, werde ich gefragt. “Drei”, zeige ich mit den Fingern und ernte kritische Blicke. Doch dann lachen die Frauen selbstbewusst: “Don’t you know about familiy planning?”

Beim Besuch eines Entwicklungsprojektes in Karamadai sind wir im privaten Haus einer älteren Frau zusammen. Einige Plastikstühle stehen für uns Besucher*innen bereit, fünf Gäste passen auf das einfache Bett, die Dorfbewohnerinnen stehen oder sitzen am Boden. Auch einige Männer sind da, sie schauen interessiert durch die Fensteröffnung oder warten auf dem Weg vor dem Haus. Aber die Frauen sind es, die sprechen.


Ob sich ihre Situation durch das Projekt verändert habe, fragt eine Besucherin die Anwesenden. Ein Raunen geht durch die Gruppe, die Frauen strahlen. Dann antwortet die Gastgeberin und die Übersetzerin erklärt. Früher sei sie immer im Haus gewesen, jetzt gehe sie raus. “She feels she is a free bird”.
Ja, “going and growing” darum geht es, ergänzt Schwester Anila. Und dann stellen die Frauen ihre Fragen. “Do you like our village?“ „Do you like us?“ Sie wollen wissen, ob es in Deutschland auch Selbsthilfegruppen gebe und erzählen lachend, dass sie nicht erwartet hätten, dass wir so weiß sind.

Ernster ist die Stimmung als es um gute und nicht so gute Ehemänner geht, um Alkoholismus und die Frage, wo sie Hilfe und Schutz finden. “They share their shoulder for each other” fasst die Übersetzerin die Reaktionen zusammen. Eine Frau ergänzt: “Wir helfen einander es zu ertragen.” Von anderen Möglichkeiten wird nicht gesprochen.
Als eine Kollegin sagt, wie stark die Frauen sind, zu arbeiten, den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen, gibt es eine einfache Erklärung: Das sei eben so, weil Frauen das besser können. „They are more mentally able!“ Und dann kommt wieder ein humorvoller Zwischenruf: “Und die Hausarbeit wird nicht bezahlt!“ „In Deutschland auch nicht!“ lachen wir.

Richtig Spaß haben wir dann mit unseren kleinen Gastgeschenken. Wir haben Postkarten aus einem Kreativprojekt von jungen Frauen in Frankfurt mitgebracht und Trillerpfeifen. „Die brauchen wir in Deutschland immer noch, wenn wir mal wieder nicht gehört werden!“ erklären wir. Den Frauen in Karamadai fällt sofort ein, in welcher Situation sie solch eine Pfeife auch gut gebrauchen können. „Respekt! Stoppt Sexismus!“ steht auf den Trillerpfeifen. Und das müssen wir gar nicht übersetzen lassen. „Respekt“ wird bei diesen Frauen direkt verstanden!
Anne Daur-Lyrhammer
Am Rande einer Präsentation unterhalte ich mich mit einigen von ihnen - das geht erstaunlich gut mit Geduld und Gesten und immer wieder ein paar Worten Englisch. Wir tauschen uns über Hühner aus, über Biodünger, Solaranlagen, Nähmaschinen und natürlich über unsere Kinder. Ein Kind, maximal zwei haben sie. Und wie viele Kinder ich habe, werde ich gefragt. “Drei”, zeige ich mit den Fingern und ernte kritische Blicke. Doch dann lachen die Frauen selbstbewusst: “Don’t you know about familiy planning?”
Beim Besuch eines Entwicklungsprojektes in Karamadai sind wir im privaten Haus einer älteren Frau zusammen. Einige Plastikstühle stehen für uns Besucher*innen bereit, fünf Gäste passen auf das einfache Bett, die Dorfbewohnerinnen stehen oder sitzen am Boden. Auch einige Männer sind da, sie schauen interessiert durch die Fensteröffnung oder warten auf dem Weg vor dem Haus. Aber die Frauen sind es, die sprechen.
Ob sich ihre Situation durch das Projekt verändert habe, fragt eine Besucherin die Anwesenden. Ein Raunen geht durch die Gruppe, die Frauen strahlen. Dann antwortet die Gastgeberin und die Übersetzerin erklärt. Früher sei sie immer im Haus gewesen, jetzt gehe sie raus. “She feels she is a free bird”.
Ja, “going and growing” darum geht es, ergänzt Schwester Anila. Und dann stellen die Frauen ihre Fragen. “Do you like our village?“ „Do you like us?“ Sie wollen wissen, ob es in Deutschland auch Selbsthilfegruppen gebe und erzählen lachend, dass sie nicht erwartet hätten, dass wir so weiß sind.
Ernster ist die Stimmung als es um gute und nicht so gute Ehemänner geht, um Alkoholismus und die Frage, wo sie Hilfe und Schutz finden. “They share their shoulder for each other” fasst die Übersetzerin die Reaktionen zusammen. Eine Frau ergänzt: “Wir helfen einander es zu ertragen.” Von anderen Möglichkeiten wird nicht gesprochen.
Als eine Kollegin sagt, wie stark die Frauen sind, zu arbeiten, den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen, gibt es eine einfache Erklärung: Das sei eben so, weil Frauen das besser können. „They are more mentally able!“ Und dann kommt wieder ein humorvoller Zwischenruf: “Und die Hausarbeit wird nicht bezahlt!“ „In Deutschland auch nicht!“ lachen wir.
Richtig Spaß haben wir dann mit unseren kleinen Gastgeschenken. Wir haben Postkarten aus einem Kreativprojekt von jungen Frauen in Frankfurt mitgebracht und Trillerpfeifen. „Die brauchen wir in Deutschland immer noch, wenn wir mal wieder nicht gehört werden!“ erklären wir. Den Frauen in Karamadai fällt sofort ein, in welcher Situation sie solch eine Pfeife auch gut gebrauchen können. „Respekt! Stoppt Sexismus!“ steht auf den Trillerpfeifen. Und das müssen wir gar nicht übersetzen lassen. „Respekt“ wird bei diesen Frauen direkt verstanden!
Anne Daur-Lyrhammer
Ein gefährlicher Job für schönes Haar!
Was verbirgt sich hinter den grünen Blätterchen, die uns die
Bewohnerin des Hauses im kleinen Innenhof entgegenstreckt? „Sie macht
daraus Pulver und verkauft es nach Chennai. Sie verdient damit 30000 Rupees
(ca. 400 €) im Monat“ erklärt uns die Übersetzerin stolz. Pulver? Unsere Blicke
bleiben ratlos. „Ja Shampoo.“
Schnell schüttet unsere Gastgeberin die Blättchen in einen
großen Mörser. Mit zwei großen Stöcken wird gemörsert, dann gesiebt und schon
erkennt man ein grünes Pulver - und nun? „Es ist Shampoo und Conditioner in
einem - das Haar wird seidig glatt.“
Das müssen wir zu Hause ausprobieren und kaufen viele
Tüten.
Es ist offensichtlich, dass sich die Frau mit dem Shampoo einen
kleinen Wohlstand erarbeitet hat. „Aber meine Tochter soll etwas anderes
machen“ sagt sie uns noch zum Schluss. „Ich suche die Kräuter für das Pulver im
Dschungel und dort begegne ich zu oft Elefanten und anderen wilden Tieren“.
REBECCA MÜLLER
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